Die Macht der Worte für Frieden nutzen – Folge 3) Menschlichkeit und Würde ins Zentrum stellen

In vielen Formen sind Abwertung und Herabwürdigung in unserem Sprechen und Denken präsent und entfalten ihre zerstörerische Wirkungen. Was da genauer passiert und wie Du mit der Macht Deiner Worte Menschlichkeit und Würde ins Zentrum stellst erfährst Du in diesem Text.


Ich nahm einen Anruf einer Freundin an und hörte schon am Zittern in ihrer Stimme beim ‚Hallo‘, dass sie aufgebracht war. „Jetzt weiß ich mal hautnah wie es ist, eine von ‚denen‘ zu sein über die im Radio geredet wird als wären sie nicht ganz für voll zu nehmen.“ Sie war wütend und tief getroffen zugleich. Es war September 2021 und sie hatte sich noch nicht impfen lassen gegen Covid 19. Sie hatte das Radio in dem Moment angeschaltet, als der Moderator eine Expertin fragte, was denn ihrer Erkenntnis nach in den Köpfen „dieser Menschen“ vorginge, die sich noch nicht haben impfen lassen. Später im Beitrag wurde ein Zitat eingespielt in dem das Wort „Impfschwänzer“ vorkam. „Wenn ich diesen Sender angemacht habe, dann gehörte ich bisher immer zum „Wir“, nicht zum „Die““ reflektierte meine Freundin später. „Als wär ich abgemeldet aus dem Club der Leute mit denen man reden kann! Vielleicht hab ich ja gute Gründe oder ich lass mich überzeugen. Aber es hört sich so an, bräuchte man mit einer wie mir gar nicht erst das Gespräch zu suchen.“

Für mich war das bemerkenswerte an der Situation, live zu beobachten, wie im Verlauf der Pandemie neue Bewertungskategorien aufgemacht wurden und mit welcher Hilflosigkeit teilweise Menschen die sich bis dahin ‚auf derselben Seite‘ gesehen hatten, vor den neuen Gräben standen. Vielleicht hast ja auch du das erlebt, wie unterschiedliche Impf-Haltungen dich oder Menschen deinem Umfeld in solchen Stress brachten, dass es nicht mehr möglich war, offen zu alten Bekannten, Verwandten oder Freund:innen zu sagen „Mensch, wie kommst Du denn zu der Haltung? Ich seh die Sache ja erstmal komplett anders.“ Und dann ins Gespräch zu gehen. Wie statt dessen viel Anspannung und Vermeidung entstand, an anderen Stellen offener Streit und zwischen manchen Zerwürfnis.

Abwertungen und Herabwürdigungen verhindern erschweren Dialoge, verschlechtern Beziehungen und zerstören Vertrauen.

Natürlich gab es im Sommer 2021 unterschiedliche Perspektiven darauf, was wichtig (sogar existentiell wichtig) war für den Umgang mit Corona und was das mit Impfen oder nicht-Impfen zu tun hatte. Aber die Geschichte meiner Freundin macht deutlich, wie der Ausschluss aus dem „Wir“ und der Gebrauch abwertender Bezeichnungen (wie „Impfschwänzer“) einer inhaltlichen Auseinandersetzung zusätzlich Verletzungen hinzufügen, die nichts Positives beitragen, sondern vielmehr nur Ballast erzeugen und komplett neben dem Inhalt stehen, um den es geht. Auf inhaltliche oder andere Differenzen damit zu reagieren, dass ich jemandem zu verstehen gebe „Mit Dir kann oder braucht man nicht zu reden“ oder „Dich sehe ich hauptsächlich mal nicht als Individuum, sondern als [setze hier ein beliebiges Label ein]“ missachtet die Würde des Menschen. Dabei kommt die Abwertung teilweise sehr subtil daher, so wie oben in dem Satz „Wie denken diese Menschen?“. Oder wie in den vielen Fällen von Mikroaggressionen, die z.B. eine schwarze Person erleidet, wenn ihr gutes Deutsch hervorgehoben wird (obwohl Deutsch ihre Muttersprache ist) oder sie nach ihrer wahren Herkunft gefragt wird. Überhaupt, je häufiger und regelhafter Menschen Abwertungen erleben, um so schwerer und schädlicher ist es. Meine Freundin in der Geschichte war schockiert, als sie einmal die Erfahrung gemacht hat, in einer Radiosendung zu „denen“ gezählt zu werden. Viele machen viel öfter oder eben regelmäßig Erfahrungen dieser Art.

Wozu das ganze Abwerten?

Den kulturellen Ursprung für das Ausschließen, Abwerten und Herabwürdigen sehe ich in dem, was Marshall Rosenberg „Dominanzkultur“ nennt. Grundidee der Dominanzkultur ist, dass es richtig und wichtig sei, dass Menschen über andere Menschen und Tiere/Natur dominieren, also Macht ausüben. Patriarchat, Kolonialismus, Weiße Überlegenheit, Speziezismus sehe ich als Ausprägungen davon. Dominanzkultur basiert auf der Annahme, dass Bedürfnisse gegeneinander ausgespielt werden müssten und nimmt an, dass es immer Gewinner und Verlierer*innen geben müsste. Von dem her ist ein Grundmotiv dann verständlicherweise, dass mensch auf der Seite der Gewinner*innen sein will.

Vermeintliche Sicherheit

Wenn es ums Gewinnen oder Verlieren geht, dann ist es wichtig, zu den Starken/Normalen/Recht habenden zu gehören. Genau das prodzuiert die Macht der Worte mit Sätzen, in denen ein implizites „Wir“ über ein „Die“ spricht. So gibt es vermeintlich Sicherheit, zum „Wir“ zu gehören. In einer Welt, in der die Würde des Menschen praktisch sehr antastbar ist, gibt es eine vermeintliche Sicherheit, wenn ich andere abwerte, bevor es mir passiert. Allerdings ist die Sicherheit davon abhängig, dass ich in der Siegerposition bleibe. Also keineswegs dauerhaft. Kaum ändern sich die Machtverhältnisse oder tauchen neue Abrenzungen auf (wie während der Pandemie), kann ins „Die“ rutschen, wer vorher vermeintlich sicher im „Wir“ war. So erzeugt der Druck, sich abzusichern, eine Atmosphäre der Unsicherheit und wieder mehr Druck sich abzusichern… Teufelskreis.

Disziplinieren

Eine weitere Motivation, abzuwerten, ist, zu disziplinieren. Ich nehme nochmal das Wort vom „Impfschwänzer“ von oben auf. Darin ist die Abwertung deutlicher ausgesprochen als in der Frage an die Expertin. Wenn auf diese Weise abgewertet wird, dann ist damit oft der Versuch verbunden, Druck auf die Angesprochenen auszuüben, so dass sie ihr Denken oder Verhalten ändern. Sie sollen beschämt werden und sich daraufhin bessern. Dabei ist es interessant (naja, schmerzhaft vor allem) zu sehen, wie die Abwertung bei „Impfschwänzer“ eigentlich funktioniert: Etwas zu schwänzen ist anscheinen in unserer Welt schlecht, weil Kinder zur Schule zu gehen haben – auch wenn das eine Institution ist, die Erwachsene für Kinder geschaffen haben, meistens ohne deren Bedürfnisse dabei im Blick zu haben. Und wenn die Kinder nicht zur Schule gehen werden sie mit Beschämung bestraft.

Auch hier ist das Ergebnis tragisch: Ja, man kann Menschen durch Beschämung dazu bringen, das gewünschte Verhalten zu zeigen. Es fühlt sich für sie aber dann an, als hätten sie sich unterworfen. Unangenehm. Die Alternative ist Verweigerung oder eine andere Form der Rebellion. Was auf jeden Fall beschädigt oder zerstört wird ist das Vertrauen in die Beziehung auf Augenhöhe. Und zerstört wird die Leichtigkeit, mit der Menschen – Kinder wie Erwachsene – Fehler machen und daran lernen und wachsen würden in einem sicher wohlwollenden und respektvollen Miteinander.

Einteilung in Oben und Unten zementieren

Anders als die Meinungsverschiedenheiten rund ums Impfen legitimieren und verstärken die besonders mächtigen Abwertungen das Oben und Unten entlang z.B. sozialem Status, rassistischer Zuschreibung oder Geschlecht. Das große Problem am Denken und Sprechen in „Wir“ und „Die“ ist, dass es uns dazu bringt, Ungerechtigkeiten für normal und ok zu halten. Wenn meine Kinder mich fragen, wieso ein Mensch um Geld bittet und ich beginne meine Erklärung mit „Das ist ein Obdachloser, der hat keine Wohnung und lebt auf der Straße…“, dann habe ich für sie und für mich (wieder einmal) die Welt so dargestellt als gäbe es Menschen, die nun mal in dieser Lage seien und als hätte das mit „uns“ irgendwie nichts zu tun. Und ich habe ein Wort eingeführt, das erklärt, warum ich angesichts der Not mancher Menschen nichts tue oder ein paar Cent bis Euro gebe im Unterschied zu einer Situation, wo ich einen Mitmenschen sehe, der in einer ganz schockierenden Situation und dringend hilfebedürftig ist. Das Wort verdeckt hier, dass wir in einer gesellschaftlichen Struktur leben, die mich mit Privilegien ausstattet und die Person auf der Straße benachteiligt. Die Entmenschlichung ist hier so gut versteckt in einer scheinbar ganz sachlichen Aussage, dass es oft gar nicht als Abwertung wahrgenommen wird. Das macht sie andererseits so wirksam.

Der Mechanismus kann auch nach innen gerichtet werden: Wenn ich mir selbst zum Beispiel erzähle, dass ich einfach nicht so ein Typ für extrovertiertes Auftreten bin und es nicht zu mir passt, Streit anzuzetteln, weil ich eben eine typische Frau bin und harmoniebedürftig, wie Frauen eben so sind; Und wenn ich es deshalb für meine Schuld halte, dass ich in Teammeetings wenig Wirksamkeit entfalte – dann verdecke/leugne/übersehe ich meine eigene Benachteiligung in bestimmten Strukturen und schreibe mir statt dessen deren Auswirkung als persönliches Versagen zu.

In beiden Fällen nutze ich die Macht meiner Worte, um strukturelle Ungerechtigkeiten zu verdecken und gleichzeitig mit dafür zu sorgen, dass die Welt so ungerecht bleibt wie sie ist. In der einen Situation profitiere ich davon, in der anderen nicht. Nichts von all dem muss mir bewusst sein.

Achte aktiv die Würde aller und bringe Respekt zum Ausdruck

Wenn du jetzt die oben stehenden Absätze gelesen hast, dann bist Du vermutlich sensibilisiert und bemerkst neue Beispiele für Abwertung und Herabwürdigung. Deine Aufmerksamkeit dafür weiter zu trainieren ist ein wesentlicher Schritt zur Veränderung.

Auch in deinen eigenen Gedanken und Worten wirst Du mit aller Wahrscheinlichkeit abwertende Begriffe und Denkmuster finden. Wie sollte es anders sein, wenn du geprägt durch die Dominanzkultur aufgewachsen bist. Dies Bemerken wird möglicherweise unangenehm sein oder in manchen Zusammenhängen auch sehr unangenehm oder schambehaftet. Hier kannst du deine eigene Würde wahren, indem du dir klar machst, dass es nicht darum geht herauszufinden ob du ein guter oder schlechter oder liebenswerter oder verstoßenswerter Mensch bist. Beziehungsweise lade ich Dich dazu ein, dich zu dieser Sichtweise zu entscheiden: Deine Würde ist unabhängig davon, was Du gedacht oder getan hast. Wenn die Würde aller gewahrt werden soll und unantastbar ist, dann auch Deine. Eine erwachsene gewaltfreie Haltung lädt dazu ein, dich als wertvolles Wesen zu sehen ohne Bedingung und gleichzeitig deine Fehler und deine Lernfähigkeit als Teil deiner Würde und deines Menschseins. Und es als Verantwortung zu begreifen, dass du erkennst wo du dich selbst oder andere verletzt/ verletzt hast und dann zu entscheiden, wie du das ändern oder auch wieder gut machen willst.

Wenn du bei dir selber merkst, dass du über jemanden oder eine Gruppe als „Die“ denkst oder sie verurteilst, was kannst Du dann tun? Manchmal reicht das Bemerken aus. Dann merkst du, wie du entlang dem gedacht oder gesprochen hast, was du gelernt hast. Aber heute stimmst du damit nicht mehr überein. Dann kannst du deinen Gedanken oder deinen Satz nochmal neu formulieren, so dass die Abwertung ersetzt ist durch eine Formulierung die die Person als Mensch mit ganzer Würde darstellt. Dafür gibt es kein Patentrezept, denn manchmal fehlen uns dafür noch die Worte in der Sprache. Deshalb werden auch immer wieder neue Begriffe und Formulierungen vorgeschlagen. Ich denke an die Kritik und Verabschiedung des abwertenden Worts „Asylant“ und die Diskussion um „Flüchtling“ und „Geflüchtete“ und ähnliche Beispiele. Ich sehe einen Wert darin, solche Bemühungen zu machen und solchen Entwicklungen Raum zu lassen, eben weil unsere tradierte Sprache so viele Abwertungen enthält.

In manchen Fällen ist die Abwertung eine Reaktion darauf, dass das Gegenüber eine andere Haltung oder andere Werte vertritt. Dann fällt es manchmal nicht so leicht, die Wertung aus dem eigenen Kopf zu bekommen. Es könnte gut sein, dass das der Fall ist im Radio-Beispiel von oben. Hier wäre es für den Moderator nötig, sich für die gleiche Haltung zu entscheiden zu der ich dich oben dir selbst gegenüber eingeladen habe: Würde wahren unabhängig von Verhalten oder Meinung. Wenn er sich das zu Herzen nimmt, könnte er es im nächsten Beitrag so versuchen: „Wir hier in der Redaktion vertreten mehrheitlich eine positive Haltung zum Impfen. Ich habe Frau xyz gefragt, was sie uns aus ihren Gesprächen mit Teilnehmer:innen der Kundgebung da-und-dort über Haltungen und Argumente berichten kann, die in andere Richtungen gehen.“ Indem der Moderator die Position der Redaktion in dieser Weise markiert, stellt er sie nicht als unhinterfragtes „Normal“ dar. Ich denke, dass das hier wesentlich ist, um die gleiche Würde aller zum Tragen zu bringen. Allerdings bedeutet die respektvolle Haltung und Ausdrucksweise gegenüber den Personen keine höhere Übereinstimmung mit inhaltlichen Positionen. Psychologisch und sozial öffnet aber diese Ausdrucksweise dafür, das Gegenüber nuancierter wahrzunehmen* (dazu kannst Du auch nochmal im vorigen Teil dieser Blogreihe nachlesen).

Wenn Du Dich mit großem und bleibendem Unverständnis trägst, dann kannst Du auch folgendes Gedankenexperiment versuchen: Nimm an, dass Lebensumstände entscheidend dazu beitragen, wie Menschen sich entwickeln. Überlege dir, wie deine Lebensgeschichte verlaufen sein müsste, damit du dieselbe Haltung hättest, wie die, die du so sehr ablehnst. Die Übung verbindet Dich vermutlich damit, dass es eine gemeinsame Menschlichkeit gibt, auch mit denen, deren Werte oder Handlungen du verurteilst oder fürchtest.

Zuhören für respektvolle Gespräche

Neben der Anrede oder der Art, wie wir über Menschen sprechen, können wir unseren Respekt auch in der Art zum Ausdruck bringen, wie wir einen Dialog führen. Ich erwarte nicht, dass der folgende Vorschlag Dich stark überrascht: Höre zu. In meiner Erfahrung wissen wir im prinzip alle, dass sich Respekt in Zuhören äußert. Es tatsächlich zu tun macht den Unterschied.

Lass Dein Gegenüber aussprechen und zeige dass Du zugehört hast, indem Du wiederholst was Du gehört oder verstanden hast.

Disclaimer

Es kann aber auch sein, dass Du nicht willens bist, überhaupt ein Gespräch zu führen und bestimmte Inhalte nochmal zu hören. Ich finde es grundsätzlich wichtig, das erstens zu klären und zweitens zu achten. Besonders auch, wenn du von Diskriminierung betroffen bist und zuzuhören bedeuten würde, dass du dir Dinge, mit denen du eh andauernd zu deinem großen Schaden und Leid konfrontiert bist, wieder einmal anhören würdest. Ich sage nicht, dass das nicht etwas ist, wofür du dich entscheiden kannst und was dann nicht auch extrem kraftvoll sein kann. Aber ich möchte nicht denjenigen, die eh diese Last tragen, auch noch die Erwartung antragen, dass sie geduldig und verständnisvoll zuhören sollen.

F*CK niemand – Neue Kraftausdrücke entwickeln

Ich bin kein Fan von „F*CK irgendwen“ Aufklebern ect. Das überrascht dich jetzt vermutlich nicht mehr, wenn Du bis hierher gelesen hast. Ich erlebe es aber als besondere Herausforderung – persönlich sowohl als auch in dem was ich bei anderen Menschen oder in politischen Auseinandersetzungen beobachte – meine Selbstbehauptung gegen Entwürdigung, meine Wut über ungerechte Verhältnisse, meine größte Frustration oder Verletzung zum Ausdruck zu bringen, ohne irgendwann die anderen abzuwerten. Sowohl die Würde aller zu wahren als auch gleichzeitig meine ganze Wut/Verletzung/Opposition zum Ausdruck zu bringen ist das, was wir vielleicht am wenigsten gelernt haben. Hier liegt großes Potential. Und es geht auch hier für mich nicht darum, mir oder anderen ein Dogma von Gewaltfreiheit oder gar Nettigkeit (das schon gar nicht) aufzuerlegen oder dass wir wieder etwas neues haben, wofür wir uns kritisieren können, wenn wir es ‚falsch‘ machen. Aber wenn ich an Frieden ein Interesse habe, an einer Welt die für alle funktioniert, und die Macht meiner Worte dafür einsetzen will, dann halte ich es für hilfreich, in diesem Bereich kreativ zu werden und mich zu trainieren. Ich ging einmal zu einer Protestaktion für einen sofortigen Kohleausstieg vor dem Bundeswirtschaftsministerium. Die Leute zu denen ich wollte standen mit großen Bildern von Bäumen auf dem Bürgersteig in einer langen Kette. Auf dem Bürgersteig auf der gegenüberliegenden Straßenseite standen Leute, die die Gewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie organisiert hatte, und die für eine Weiterführung des Kohleabbaus demonstrierten und für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Es kamen Sprechchöre von der Seite herüber (an deren Inhalt ich mich nicht erinnere, die ich auf jeden Fall als wütend in unsere Richtung wahrnahm). Die Menschen mit dem Megaphon auf ‚meiner‘ Seite reagierten mit dem bekannten Chorus „Wir sind friedlich – was seid ihr?“ Ich finde den Chorus nicht in jeder Situation schwierig. Zum Beispiel macht er Sinn, wenn eine Gruppe von friedlichen Demonstrant*innen von mit Schilden und Stöcken bewaffneter Polizei bedrängt wird und deutlich machen will, von wem hier ggf. die Aggression ausgeht. Aber in dem Moment von dem ich erzähle, kam der Spruch mir passiv aggressiv vor, sowohl in Absicht als auch in der Wirkung. Ich fand es unnötig und abwertend, den Bergleuten Aggressivität zu unterstellen. Das war so ein Moment, wo ich mir gewünscht hätte, die Organisator*innen hätten schon in der Vorbereitung trainiert, die Macht ihrer Worte für Frieden einzusetzen. Vielleicht wäre dann schon im Vorfeld eine Idee aufgekommen, wie die legitimen Interessen der Bergleute – soziale Absicherung, lebenswerte Zukunft für die nächste Generation – positiv aufgenommen werden könnten. Dann hätten wir gerufen, „Wir wollen auch, dass Ihr abgesichert seid, und dass das Klima für Eure und unsere Kinder gerettet wird“. Mmh, das ist noch nicht der perfekte Slogan. Aber das meine ich ja: Hier ist noch viel Luft nach oben, viel Potential, wenn wir respektvolle oder sogar verbindende Kraftausdrücke entwickeln.

Schluss

Ich hoffe, dass der Text Dir Ansatzpunkte dafür vermittelt, wie Du die Macht Deiner Worte dafür einsetzen kannst, die Menschlichkeit und Würde aller ins Zentrum zu stellen und damit Raum für Frieden und Kooperation oder auch konstruktiven Streit zu bereiten. Viel Freude und Erfolg beim Ausprobieren!

In meinem Blog schreibe ich aus einer Perspektive, die von meiner Begeisterung für Gewaltfreiheit allgemein und die Gewaltfreie Kommunikation nach M.B. Rosenberg im besonderen geprägt ist. Wenn Du Dich selbst in dieser Haltung schulen und mehr praktisches Handwerkszeug erwerben willst, dann sind meine Seminare zu Gewaltfreier Kommunikation für Dich spannend. Schau Dir das Seminarprogramm an!


* Diese Vorgehensweise ändert noch nichts an dem Effekt, den es hat dass in Radiosendungen (und allen anderen Medien) ausgewählt wird, wessen Stimmen gehört werden. Und dass die Auswahl marginalisierte Gruppen massiv unter- und fehlrepräsentiert. (Zu marginalisierten Gruppen zähle ich übrigens nicht ungeimpfte. Das wäre ein Missverständnis.) Es ist nicht im engen Sinne mein Thema hier, aber wenn es darum geht die Macht der Worte dafür einzusetzen, dass die Menschlichkeit aller ins Zentrum gestellt wird, dann gehört dazu auch die Repräsentation aller in ihrer Menschlichkeit, Kompetenz, Expertise…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert